Veränderungen am Energiemarkt
Der Energiemarkt befindet sich derzeit in einem starken Wandel. Die Strompreise erleben seit einiger Zeit eine regelrechte Achterbahnfahrt, vielerorts werden dynamische Strompreise eingeführt und teilweise werden bereits Leistungstarife für Privathaushalte verrechnet.
Damit Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer sowie Unternehmen die aktuelle Situation besser einordnen können, haben wir nachfolgend die wichtigsten Entwicklungen sowie unsere Einschätzung zur zukünftigen Marktrichtung zusammengefasst. Aufgrund der Komplexität der Thematik wurde diese Übersicht bewusst auf einer hohen Flugebene erarbeitet und der besseren Verständlichkeit halber nicht auf einzelne Netzbetreiber heruntergebrochen.
Die wichtigsten Entwicklungen im Überblick
- Strompreis: Nach einem starken Anstieg in den Vorjahren ist der Tarif – je nach Anbieter – aktuell wieder leicht am Sinken. Die Preisgestaltung bleibt jedoch sehr variabel und die künftige Entwicklung nur schwer abschätzbar.
- Einspeisevergütung: Diese ist über die letzten Jahre stetig und vor Kurzem sogar stark gesunken. Es ist davon auszugehen, dass sie sich künftig gegen Null entwickeln wird. Das bedeutet: Für ins Netz zurückgeführten Strom wird es zunehmend keine Vergütung mehr geben.
- Dynamische Tarife: Mit dem Wegfall der Hoch- und Niedertarife und der Einführung dynamischer Preismodelle reagieren die Netzbetreiber auf den veränderten Strommarkt und versuchen, Unregelmässigkeiten im Stromnetz zu reduzieren. Um Kosten möglichst tief zu halten, wird es für Konsumentinnen und Konsumenten immer wichtiger, Energie genau dann zu verbrauchen, wenn ein Produktionsüberschuss besteht. Ein Energiemanagement-System wird dafür künftig praktisch unverzichtbar.
- Leistungstarif: Seit Kurzem erheben einzelne Netzbetreiber auch bei Privatkunden einen Leistungspreis auf die maximal in Anspruch genommene Leistung – Kosten, die früher nur Industrie und Gewerbe betrafen. Aufgrund der durch PV-Anlagen voranschreitenden Dezentralisierung der Stromproduktion und dem entstandenen Investitionsstau beim Netzausbau ist davon auszugehen, dass die Netzkosten sowohl für Private als auch für Unternehmen in den kommenden Jahren weiter steigen werden. Netzbetreiber werden dadurch einen immer grösseren Teil der Kosten über Netzgebühren statt über den effektiven Verbrauch (kWh) verrechnen.
- Sinkende Kosten für Batteriesysteme: Dank technologischer Entwicklungen sind die Preise für Batteriesysteme seit 2020 um fast 50 % gesunken. Bis vor einem Jahr wurden Batteriesysteme praktisch ausschliesslich für Kunden aus Industrie und Gewerbe empfohlen. Aufgrund der beschriebenen Veränderungen am Energiemarkt gewinnen Batteriesysteme nun auch für Privathaushalte mit einer PV-Anlage stark an Attraktivität.
Auswirkungen auf bestehende und geplante Investitionen
Diese Veränderungen wirken sich selbstverständlich auch auf die Rentabilität von bereits getätigten und zukünftig geplanten Investitionen aus. Aufgrund der hohen Dynamik am Energiemarkt verfolgen wir seit Jahren zwei Grundsätze, die auch künftig optimale Investitionsentscheide ermöglichen sollen:
- Etappenweises Investitionsmodell: Aufgrund der zahlreichen externen Abhängigkeiten empfiehlt sich ein etappenweises Vorgehen, um flexibel auf sich verändernde Rahmenbedingungen reagieren zu können.
- Steigerung der Eigenverbrauchsquote: Das gezielte Hinarbeiten auf eine möglichst hohe Eigenverbrauchsquote führt zu einer maximalen Entkoppelung der Investition von externen und mit hoher Unsicherheit behafteten Faktoren.
Investitionen, welche die Eigenverbrauchsquote erhöhen, dürften auch künftig innert kurzer Zeit amortisierbar sein. Das bedeutet konkret: Investitionen in Photovoltaik-Anlagen bleiben weiterhin interessant, sofern diese auf eine hohe Eigenverbrauchsquote und nicht auf einen hohen Autonomiegrad ausgelegt sind. Gleichzeitig gewinnen Investitionen in Batterie- und Energiemanagementsysteme zunehmend an Bedeutung, da damit – neben der Erhöhung der Eigenverbrauchsquote – folgende Optimierungen erzielt werden können:
- Sinnvolle Nutzung von überschüssiger Solarenergie: Selbst produzierter Strom kann gespeichert und zeitlich versetzt genutzt werden, anstatt praktisch zum Nulltarif ins Netz zurückgeführt zu werden. Dies erhöht die Rentabilität einer früheren oder zukünftigen PV-Investition.
- Optimale Nutzung von dynamischen Tarifen: Über eine Schnittstelle kann das Energiemanagementsystem beim Netzbetreiber automatisch den aktuellen Tarif abfragen und Verbraucher wie Wärmepumpe, Ladestation oder Batterie entsprechend steuern – das senkt die Energiekosten.
- Reduktion von Energiespitzen (Peak-Shaving): Durch das automatische Ausschalten von Verbrauchern bei zu hohen Energiebezügen lässt sich die maximal bezogene Energie reduzieren, was zu tieferen Leistungstarif-Kosten führt.
Fazit
Die Entwicklungen am Energiemarkt zeigen: Es handelt sich um eine komplexe Thematik, bei der Fachverständnis und individuelle Lösungen gefragt sind, um optimale Ergebnisse zu erzielen. Wer frühzeitig auf eine hohe Eigenverbrauchsquote setzt und in Batterie- sowie Energiemanagementsysteme investiert, positioniert sich für die kommenden Veränderungen am Energiemarkt optimal.
Gerne geben wir bei Interesse weitere Auskünfte zu den Themen Energiemanagementsysteme (EMS), Photovoltaik und Batteriesysteme.